


Jetzt ist er wirklich da, der Frühling.
Es ist ein bisschen wie eine Geburt, die nun endlich etwas Sichtbares zum Vorschein bringt.
Mein lichthungriges Herz freut sich wie ein kleines Kind an allem, was da wächst.
Tulpen, die sich in saftigem Grün dem Licht entgegenstrecken.
Winterlinge, die quitschgelb blühen.
Narzissen und Osterglocken bereichern meine Beete.
Wie gut das tut. Nach all dem Grau und Braun wieder Farbe. Mehr Licht.
Und ich merke in jedem Jahr, wie das Geschehen in der Natur auch meiner Seele guttut. Den Bereichen, in denen ich warte, dass sich auch hier etwas bewegt. Das etwas neu aufblühen darf.
Vor ein paar Wochen haben wir meine geliebte Schwiegermama beerdigt. In Gottes Hände gelegt, nach einem langen und erfüllten Leben. Der Schmerz und der Verlust sind trotzdem groß.
Am Tag ihrer Beerdigung strahlte das Sonnenlicht, die Vögel gaben ein großes Konzert und die Frühlingsblumen blühten. Wie sehr berührte mich dieses Bild, dass mir eine kleine Vorahnung gab, was Auferstehung bedeutet. Was sie nun erwartet und was sie nun sehen darf. Auch wenn ich so vieles nicht verstehe und begreife, zeigt der Frühling so sehr, was Auferstehung ist. Wie aus brauner, kalter Erde neues wächst.
Anselm Grün sagt: „Der Frühling ist Bild für die neue Schöpfung, die uns in der Auferstehung Jesu aufleuchtet.“

Unser Leben wird irgendwann zerbrechen. Jeder Mensch wird sterben. Körper werden alt und kämpfen mit verschiedenen Herausforderungen. Aber da wartet eine neue Schöpfung. Neues Leben.
Und während wir leben, darf der Frühling uns ermutigen. Das Gott uns dieses neue Leben mitten in unserem Alltag schenkt.
Wenn ich auf mein eigenes Leben sehe, merke ich, wie sehr ich dieses Bild brauche und auch als ein Sinnbild Gottes für mich empfinde. Auch in einem Leben gibt es Enttäuschung, Entmutigung und Bereiche, in denen ich nicht sehe, dass sich etwas bewegt und verändert.
Der Frühling ist wie die leise Stimme Gottes in mein Leben: „Da wächst etwas Neues. Hab Hoffnung meine Seele. Gerade in den Bereichen der Stagnation, Entmutigung und Traurigkeit. Ich schaffe Neues.“
Und ich will in diesem Frühling neu in mich hineinhören.
* In welchen Bereichen meines Lebens brauche ich diese Auferstehungshoffnung im Jetzt und Hier?
* Was entmutigt mich?
* Welche Stellen meines Lebens warten auf neues Blühen?
Ich weiß, sich dessen bewusst zu machen, kostet Mut und auch Kraft.
Manchmal kommen Dinge in uns hoch, die bearbeitet werden müssen. Betrauert und Losgelassen.
Was hilft in diesen Zeiten?
Ich suche immer wieder neu danach und glaube, dass es heilsam und wichtig ist, genau hinzusehen.
Hinzusehen, was ist. Es nicht wegzudrücken oder zu kaschieren.
Das ehrliche Gespräch suchen, mit Menschen, die hinhören und verstehen.
Und so wie ich suchend nach dem Frühling durch den Garten laufe, will ich auch in meinem Leben Ausschau halten, nach dem Guten. Nach den kleinen und großen Geschenken Gottes in meinem Leben.


Ich nenne es gerne den „Dankbarkeitsmuskel trainieren“
Das ist ein Erbe, das mir meine Schwiegermama hinterlassen hat, die oft an den dunkelsten Orten Schönes fand.
Ich werde nicht vergessen, dass ich sie besucht habe im Krankenhaus. Ich war schockiert in was für einem dunklen Zimmer ohne Licht mit abgeklebtem Fenster sie lag. Sie sagte: „Erst dachte ich, ach hier ist es überhaupt nicht schön. Aber dann sah ich dieses wunderschöne Bild und dachte, das schau ich mir jetzt an. Auf dem Bild waren Sonnenblumen zu sehen.“
Wahrscheinlich wäre mir dieses Bild erstmal gar nicht aufgefallen. Aber sie hatte diesen suchenden Blick nach Gutem. Nach Segen.
Ich will es von ihr lernen und mich daran erinnern.
Ja, dass Leben mutet uns manchmal einiges zu und es geht nicht darum, sich die Welt schön zu reden, aber es geht darum zu fragen, was es denn Gutes zu finden gibt. Trotz und in allem. Und mir schien, sie hat oft etwas gefunden.
* Die Flüchtlinge, die ihr Spielkameraden in Kriegszeiten waren und ihre Kindheit in der Dunkelheit des Krieges doch auch hell machten.
* Die Menschen, die ihr immer wieder Gutes taten und denen gegenüber sie sehr dankbar war.
* Gott, der zu ihr sprach in Alltagsbildern und in den Worten ihrer alten Bibel, die sie immer auf dem Tisch liegen hatte.
Im Traurigsein und Vermissen liegt ein großer Schatz. Denn jeder Mensch der geht, lässt etwas zurück. Ein inneres Erbe.
Ich will es antreten in diesem Frühling.
Erinnere mich in Liebe und Dankbarkeit an sie.
Möchte ihr nacheifern und das Leben feiern. Nach Gutem suchen, Hilfe annehmen und dankbar leben.


Frühlingsgebet
Heute halte ich mein Gesicht in die Sonne.
Lasse mich wärmen von dir.
Heute staune ich über alles was wächst.
Will glauben und vertrauen, dass so lange ich lebe du auch in meinem Leben wirkst.
Mich lebendig machst.
Etwas wachsen lässt.
Ich bringe dir die Brachbeete meines Lebens und bitte dich um neues Leben.
Um Vertrauen, Mut und Kraft.
Schärfe meinen Blick genau hinzusehen.
Lass mich Gutes entdecken.
Ermutige mich weiter zu laufen.
Danke, für Licht, Grün und alles was wächst.
Es ist deine Sprache der Liebe und Ermutigung für mich.
Amen



Alltagsschnipsel im März
* Raus in die Natur
Meine Kinder sind Schatzsucher.
Sie finden unterwegs Kostbarkeiten für die Hosentasche. Steine, Schneckenhäuser, besondere Blumen und Pflanzen.
Gemeinsam erkunden wir den Deich in Ostfriesland, staunen über die Schafe, die dort grasen. Wir erforschen kleine Wanderrouten in Hessen und unsere Umgebung.
Sie staunen und fragen.
Sammeln.
Gehen hüpfend durch die Welt.
Wir lieben es draußen zu sein.
Es ist als würde es uns auch innerlich durchpusten.
Und wenn ich mal wieder erschöpft und müde bin, weiß ich: „Wir müssen raus, raus in die Natur“
Unsere Kinder feiern es, wenn wir unsere Decke und ein kleines Picknick mitnehmen. Im Freien essen lieben sie so sehr. Ich staune immer wieder, wie sie draußen so leicht ins Spielen kommen. Stöcke sammeln und Hütten bauen. Weitaus weniger streiten als daheim. Was frische Luft und grüne Farbe doch tut. Dafür bin ich sehr dankbar.


*Neue Beete
Im Garten habe ich ein paar kleine neue Beete angelegt. Das Wühlen in der Erde tut mir so gut. Es schaltet den Kopf ab. Lässt mich im Hier und Jetzt sein. Dabei geht es überhaupt nicht um Perfektionismus. Ich probiere aus. Manchmal klappt es. Manchmal nicht. Und das ist ok. Hauptsache Hände in der Erde. Draußen sein. Frühlingsluft atmen.
* Teilen, abgeben, blühen
Ich habe ein paar Freundinnen, die einen reichen und schon wundervollen Garten haben. Es berührt mich immer sehr, wenn sie mir von ihren Schätzen abgeben und mit einem Eimer vor meiner Tür stehen. Eine Freundin sagt: „Komm, ich grab sie dir gleich ein.“ Ich freue mich immer so sehr darüber. An einigen Stellen in meinem Garten blüht es, weil andere abgegeben haben und mich beschenkt haben. So ein schönes Bild. Abgeben von meinem Überfluss lässt es bei anderen blühen.


* Abschied
Das verabschieden der Oma hat die Kinder sehr bewegt.
Wir haben gemeinsam Wege gesucht mit der Trauer umzugehen.
Wir haben gemalt. Bücher gelesen. Haben uns erinnert. Eine kleine Erinnerungsecke geschaffen. Gelacht und geweint.
An dieser Stelle möchte ich gerne ein paar Bücher empfehlen, die uns gutgetan haben.
Kinder haben so viele Fragen, auch Ängste, was das Thema Tod betrifft. Bücher sind wirklich gute Freunde in dieser Situation, greifen so vieles auf.
Was mir aufgefallen ist, dass es viele Bücher gibt, die Fragen rund um den Tod beantworten. Die Himmelsperspektive fehlt manchmal. Das war aber genau das, was meine Kinder sehr beschäftigt hat. Wo ist die Oma jetzt? Wie kriegt Jesus sie denn wieder aus der Kiste aus der Erde raus. Wie ist der Himmel.
Eins meiner Lieblingsbücher zum Thema Himmel ist: „Wo die Toten zu Hause sind“ von Christine Hubka und Nina Hammerle. Ich habe es auch schon Erwachsenen geschenkt, die einen geliebten Menschen verabschieden mussten.

Im Buch werden Bilder gezeichnet, die in der Bibel erwähnt werden. Fragen werden beantwortet z.B.
Wohin gehen die Toten?
Was passiert nach dem Sterben?
Wie sieht die Zukunft bei Gott aus?
„In Gottes Licht entdecken die Menschen, wie schön und liebenswert sie sind, weil Gott sie wunderbar geschaffen hat.“
Die Illustrationen verleihen dem schweren Thema eine Leichtigkeit und Wärme. Im Anhang finden Eltern und Erzieher/innen einfühlsame Tipps zum Thema. Ein Buch, dass meiner Meinung nach in jedem Haus einen Platz finden kann.
Das zweite Buch hat uns geholfen, ganz praktische Fragen zu beantworten und ist aus der Reihe Wieso, Weshalb, Warum „Abschied Tod und Trauer“

Hier geht es um die Frage des Abschiednehmens am Beispiel der Oma im Hospiz.
Wann ist das Leben zu Ende? Und was geschieht dann?
Wie fühlt sich Trauer an und was kann mich trösten?
Wie läuft eine Beerdigung ab und was geschieht nach einer Beerdigung?
Was ist ein Friedhof u.v.m.?
Unsere Kinder haben diese Bücher wirklich verschlungen. Eine große Hilfe.
Das dritte und letzte Buch hat uns eine Freundin geschenkt und es hat mich so sehr berührt und getröstet. Es heißt „Ein Garten für uns“

Ein kleines Mädchen kümmert sich jeden Tag fürsorglich um die Pflanzen im Garten. Dort lernt sie eine alte Frau kennen, die im Laufe des Jahres verstirbt. Sie muss Abschied nehmen, darf aber später im Garten etwas wachsen sehen, was sie zusammen gesät haben. Auferstehung wird zu einem Bild. Einem Bild, dass wir im Frühling im Garten sehen können. Die Sprache ist lyrisch und vielleicht sogar eher etwas für Erwachsene. Ich habe die Geschichte dann in eignen Worten den Kindern erzählt und ihnen die wundervollen Bilder gezeigt.
Buchgeburtstag
Im März wurde mein Buch ein Jahr alt. Es ist immer noch so besonders für mich, dass Gedanken, die mein Herz und meine Seele bewegten, jetzt zwischen zwei Buchdeckeln zu lesen sind für jeden, der es möchte. Noch zaghaft kommt über meine Lippen, dass ich eine Autorin bin und manchmal kaum zu glauben, dass das Schreiben nun ein großer Teil meiner Arbeit geworden ist.



Als wir meine liebe Schwiegermama verabschiedet haben, habe ich mich daran erinnert, dass ich über sie auch ein Kapitel geschrieben habe, in dem es um die Suche nach Leichtigkeit im Leben geht. Ich bin dankbar, dass sie meine Gedanken über sie noch gelesen hat und dass das, was ich von ihr lernte auch seinen Platz im Buch hat.
Im nächsten Monat darf ich wieder zu Lesungen unterwegs sein, bei einem Frauenfrühstück bei Bremen und in zwei Buchhandlungen in Ostfriesland. Im Mai bin ich mit dem Buch Teil eines 60. Geburtstags. Es ist mir eine Freude und Ehre zu lesen und dabei in echte Gesichter zu sehen.
Happy Birthday: „Wenn die Hoffnung leise anklopft“
Last but not least möchte ich euch ermutigen, vor allem, wenn ihr bis jetzt gelesen habt, diesen Blog zu teilen – vielleicht einer Freundin zu schicken, vielleicht im Status zu teilen. Ich freue mich sehr darüber, wenn noch mehr Menschen erfahren, dass ich auch auf meiner Homepage schreibe.
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